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20190409 214242

Nach einer Anfrage durch den Verein Blinden- und Sehbehindertenvereins Bonn/Rhein-Sieg e.V. an unseren 1. Vorsitzenden, für die Ausrichtung eines Selbstverteidigungskurses für Blinde, war bei uns die Begeisterung sofort groß. Allerdings auch die Fragezeichen. Was sollten für Techniken „gezeigt“ werden? Wie „zeigt“ man das überhaupt? Welche Selbstverteidigungstechniken sind für Blinde oder stark eingeschränkt Sehende in der Praxis einsetzbar? Und viele Fragen mehr. Nach einem kurzen Gespräch wurde beschlossen, den angefragten Kurs zu geben. Mit 3 Abenden wurde der Kurs angesetzt. Die Teilnehmer waren sowohl Blinde als auch „Sehende“. Und der Blindenführhund Guardian. Er durfte allerdings nicht mit trainieren und musste während des Trainings auf bzw. an der Bank bleiben.

Nach einem kurzen Aufwärmen ging es mit dem ersten Training los. Wir waren sehr beeindruckt wie schnell erklärte und gezeigte Techniken umgesetzt worden sind. Da kann ich nur von mir sagen, ich bin langsamer. Ebenfalls beeindruckt hat uns die gute Orientierung und Beweglichkeit in einer vollkommen fremden Sporthalle. Da kann ich ebenfalls nur von unserem Training, welches hin und wieder blind, also mit Schlafbrille auf der Nase, stattfindet berichten. Irgendjemand rennt immer vor die Wand. Oder aus versehen aus der Gruppe weg. Oder in einen anderen.

In der ersten Trainingseinheit wurde, unter anderem, geübt Griffe von Angreifern zu lösen, wenn diese einen festhalten. Dies gehört bei uns zur Grundschule. Schnell haben wir aber festgestellt, dass dies für Leute die schlecht oder gar nicht sehen können ungünstig ist. Solange man festgehalten wird kann man die Position des Angreifers ungefähr erahnen. Dann sind Hebel oder Schläge als Verteidigung möglich. Sobald der Griff gelöst war bestand aber für alle nicht so gut sehenden der große Nachteil darin, dass sie nun überhaupt nicht mehr orten konnten wohin der Angreifer verschwunden ist. Und ob und wenn ja wie er wieder angreift und in welche Richtung der eigene Konter gehen sollte. Da brachte die nun wieder befreite zweite Hand auch nicht viel. Während des restlichen ersten Trainings und in den folgenden Trainingseinheiten wurden nun Techniken geübt, in denen ein Kontakt zum Angreifer für die eigene Gegenwehr genutzt wurde. Falls noch kein Kontakt zum Angreifer bestand musste auf diesen gewartet werden. Aus diesem Grund wurden unter anderem auch passive Blöcke bzw. wie man den eigenen Kopf schützen kann, Fallschule, Schlag- und Hebeltechniken trainiert. Gewünscht wurden außerdem Abwehr gegen Würgen oder Umklammerung des Oberkörpers und wie man den Diebstahl des eigenen Rucksacks verhindern kann. Gelernt wurde durch zeigen, erklären und ertasten der jeweils trainierten Technik. Da einige Teilnehmer bereits zum wiederholten Mal an einem Selbstverteidigungskurs teilnahmen oder früher selbst in unserem Verein waren konnten an den drei Abenden viele, zum Teil fortgeschrittene, Techniken ausprobiert werden.

Wir hatten sehr viel Spaß und haben viel gelernt!

Wir hoffen, dass alle Teilnehmer dies auch so empfunden haben und wir uns zu einem weiteren Kurs wieder treffen werden.

Johanna Fey

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